Grün versichern und Gutes tun

Was machen Versicherungsunternehmen mit Ihren Beiträgen?

Haben Sie sich schon mal gefragt, was ein Versicherer mit Ihren Beiträgen für die Privathaftpflicht- oder Lebensversicherung macht?
 
Mehrere Hundert Milliarden Euro erwirtschaftet die deutsche Versicherungsbranche jedes Jahr. Dieses Geld legen die Versicherungsgesellschaften in der Regel möglichst gewinnorientiert an. Jedoch spielen Umweltaspekte in den Kalkulationen dieser Unternehmen nur in Ausnahmefällen eine Rolle.
 
Studien wie „Managementkompass Nachhaltige Wertschöpfung“ oder „Nachhaltigkeit in der Assekuranz“ zeigen auf, dass die Versicherungsunternehmen im Vergleich mit anderen Branchen bezüglich nachhaltigen Investitionen nicht gut dastehen. Nur jede zweite deutsche Versicherung investiere überhaupt in Nachhaltigkeit oder plane solche Investitionen. Versicherungsverträge mit sozialen und ökologisch Aspekten biete nur jede dritte Gesellschaft an.

Doch was ist Verbraucherinnen und Verbraucher wichtig?

Eine Umfrage ergab, dass eine Mehrheit Investitionen, die beispielsweise auf Raubbau an der Natur, auf Massentierhaltung oder auf Rüstungsgeschäften beruhen, ablehnt.

Ohne dass es Verbraucherinnen und Verbraucher transparent nachvollziehen können, stecken also die meisten Versicherungsgesellschaften das anvertraute Geld in Tabakkonzerne, Ölfirmen, Atom- und Kernkraftwerke – oder auch in Hersteller von Streumunition und genmanipulierte Lebensmittel.

Grüne Lebensversicherungen

Immer mehr Lebensversicherungsgesellschaften (und auch Krankenversicherer) versuchen ihre Unternehmen umweltfreundlicher und nachhaltiger werden zu lassen und versehen neue Tarife mit einem grünen Anstrich.

Doch wir müssen bei Gesellschaften, die mit „Nachhaltigkeit“ hausieren gehen, genau hinschauen, ob „Öko“ nicht nur ein Marketing-Gag ist, sondern gelebt wird. Beispielsweise wirbt ein bekanntes Münchener Versicherungsunternehmen einerseits mit Nachhaltigkeit, andererseits betätigt es sich Hauptsponsor eines Bundesligisten, der sich als „Botschafter“ eines großen Chemieriesen sieht. Positiv zu erwähnen ist jedoch, dass sich das Unternehmen zu den Grundsätzen für nachhaltiges Investieren der Vereinten Nationen (UNPRI) bekennt.

Wirklich grüne Altersvorsorgekonzepte wie von der transparente(R) oder der Concordia oeco Lebensversicherungs-AG oder, eingeschränkt, die Grüne Rente der Stuttgarter Lebensversicherung aG zeigen, dass es auch anders, sprich transparenter gehen kann: Ein Anlagen-Bericht legt hier offen, in welche Projekte wie viel Geld investiert wurde.

Wer sich für eine grüne Altersvorsorge entscheidet, sollte sich daher genau bei einem spezialisierten Versicherungsmakler oder Versicherungsberater erkundigen, wer über die Verteilung der Projektgelder entscheidet, und welche ökologisch sinnvollen Investmentfonds wählbar sind (und ob diese zu Ihnen passen).

Grüne Sachversicherungen

Im Bereich Sachversicherungen gibt es bisher nur wenige nachhaltige Konzepte und Tarife. Greensurance oder Ver.de bieten in ihrer Hausratversicherung Mehrleistungen im Schadensfall, wenn sich der Kunde für ökologische bzw. faire Ersatzprodukte entscheidet, vergeben „Ökopunkte“ und spenden Gelder an umweltfreundliche Stiftungen. Mehrere Kfz-Versicherer, wie z.B. die DEVK honorieren über Rabatte in der Kfz-Versicherung umweltfreundliche Fahrzeuge.

Mit den grün versichert-Konzepten haben nachhaltig orientierte Versicherungsmakler in Zusammenarbeit mit der NV Versicherung Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit und der Itzehoer Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit verbraucher- und umweltfreundliche Lösungen entwickelt. So ist die grün versichert GmbH vom Deutschen Institut für Nachhaltigkeit und Ökonomie sowie vom US-amerikanischen B-Lab zertifiziert worden. Darüber hinaus zeichnete im vergangenen Jahr auch der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung das Unternehmen aus.

Egal ob Privathaftpflicht, Hundehalterhaftpflicht, Hausratversicherung, Wohngebäudeversicherung, Unfallversicherung oder Kfz-Versicherung – alle grün versichert-Tarife bieten (in der Premium-Variante) sehr umfangreiche Leistungen und vor allem transparente ökologische Mehrwerte durch die Verwendung der Prämie: Die Versicherungsanbieter garantieren nämlich, dass die Investition in nachhaltige Kapitalanlagen – im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Möglichkeiten – mindestens in der Höhe des Beitragsaufkommens erfolgt. Sie werden z.B. belohnt, wenn Sie nach einem Schadensfall bei der Wiederbeschaffung auf nachhaltige Produkte oder nachhaltige Unternehmen zurückgreifen. Zusätzlich wird für jeden neuen Antrag ein Baum gepflanzt.

Mehr Informationen auf www.gruenvorsorgen.de.

Übrigens: wenn Sie einen Versicherungsvertrag über uns abschließen, sammeln Sie zwar keine „Ökopunkte“, dafür helfen Sie zusätzlich direkt Menschen in Not und fördern Umweltprojekte.

Ihr Volkmar H. Haegele

 

Sozial-ökologische Finanzberatung – was ist das?

 

Nicht alles ist (sich) grün – doch die Hoffnung benötigt Antworten

Trueffelpix @ Fotolia

Immer wieder hören oder lesen wir:

  • „Wie kann ich mein Geld klima- und umweltfreundlich investieren?“
  • „Wo finde ich grüne Investmentfonds?“
  • oder „Wem kann ich überhaupt vertrauen?“

Soziales und ökologisches Bewusstsein nimmt zu

Immer mehr Unternehmen sind sich bewusst, dass wirtschaftlicher Erfolg, soziale Verantwortung und ökologisches Bewusstsein eine Investition in die Zukunftsfähigkeit sind. Wer heute seine Unternehmenspolitik am Prinzip der Nachhaltigkeit ausrichtet, muss ökonomisches Handeln mit der Förderung stabiler sozialer und ökologischer Rahmenbedingungen verbinden. Das haben inzwischen auch Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungsunternehmen begriffen.

Doch bei der Auswahl der „grünen“, „ökologischen“ und „ethischen“ Geldanlage ist mit Vorsicht vorzugehen. Noch immer tummeln sich am Markt Anbieter mit teils skurrilen „Öko“-Investments herum, manche davon noch unreguliert. Die Erfahrungen mit Insolvenzen hat zwar den Verbraucherschutz gestärkt. Doch trotzdem gilt noch immer: Investieren Sie nur in Produkte, die Sie auch verstehen!

Finanzberatung ist gesetzlich geregelt

Wenn nun VerbraucherInnen und institutionelle Anleger Gelder bevorzugt in nachhaltige Geldanlagen fließen lassen möchten, muss genau hingesehen werden, ob diese Unternehmen und Produkte auch zum Anleger passen. Insofern sind FinanzberaterInnen „verpflichtet, dem Anleger rechtzeitig vor Abschluss eines Geschäfts Informationen über die Risiken der angebotenen oder vom Anleger nachgefragten Finanzanlage zur Verfügung zu stellen. Diese Informationen müssen so gefasst sein, dass der Anleger nach vernünftigem Ermessen die Art und die Risiken der Finanzanlagen verstehen und auf dieser Grundlage seine Anlageentscheidung treffen kann.“ (§13 Abs. 1 FinVermV)

Warum ist das wichtig?

Immer wieder stellen wir fest, dass „grüne“ Finanzanlagen nicht dem Risikoprofil des ökologisch-verantwortungsbewussten Anlegers entsprechen. So schön es ist, mit seinem Geld Gutes tun zu wollen, sollte man sich trotzdem jedes Mal auch mit den Risiken beschäftigen. Wer z.B. „Sicherheit“ will, sollte nicht in Investmentfonds investieren. Heute besteht für jedes regulierte Produkt eine Prospektpflicht, wo vor allem die Risiken herausgestellt werden. Fragen Sie daher Ihre Beraterin oder Ihren Berater immer genau, was (nicht) zu Ihnen passt.

Ist sozial-ökologisches Investieren teurer?

Das können wir nach so vielen Jahren nicht pauschal bestätigen. Egal, ob es (offene) Investmentfonds, geschlossene Unternehmensbeteiligungen, sonstige Vermögensanlagen oder unregulierte Direktinvestments sind: Da heute die Kosten – einmalige wie laufende Kosten – offengelegt werden müssen, lässt sich schnell feststellen, was Sie bezahlen und somit am Ertrag nagen könnte. Fragen Sie daher Ihre Beraterin oder Ihren Berater immer genau, welche Kosten Ihnen entstehen. Da muss erfahrungsgemäß eine honorarbasierte Beratung nicht günstiger sein als eine Beratung und Vermittlung auf Courtage- bzw. Provisionsbasis.

Wen soll ich fragen?

Das ist grundsätzlich eine Vertrauenfrage. Wir vertreten die Ansicht, das FinanzberaterInnen einen qualifizierten fachspezifischen IHK- oder Universitätsabschluss vorweisen und der jährlichen Kontrolle einer Aufsichtbehörde unterliegen sollten. Fragen Sie ruhig nach regelmäßigen fachlichen Weiterbildungen oder Zertifikaten. Langjährige Erfahrung ist auch von Vorteil. Und wenn Sie ein besseres Gefühl haben möchten, achten Sie nicht nur auf die vorgeschriebene Dokumentationspflicht jeder Beratung, sondern auch, ob eine Vermögensschadenhaftpflicht vorliegt. Übrigens: Registrierte und seriöse BeraterInnen legen Ihnen diese Informationen VOR der Beratung offen.

Kann man sich auch „grün“ versichern?

Ja, inzwischen findet sich für private Risiken auch „grüner“ Versicherungsschutz. So gibt es für die Privathaftpflichtversicherung, Tierhalterhaftpflichtversicherung, Wohngebäudeversicherung und Hausratversicherung von grün versichert leistungsstarke Tarife. Hier investieren die Versicherungsunternehmen die Prämien nicht in den Kapitalmarkt, sondern in nachhaltige Kapitalanlagen. Diese berücksichtigen ethische, soziale und ökologische Belange nach aufgeführten „Negativkriterien“, wie keine Erzeugung von Atomenergie, Ausbeutung diverser Art, Tierversuche, Gentechnik, u.v.m.. Zusätzlich wird pro Vertrag ein Baum gepflanzt, damit neben der persönlichen Absicherung auch neues Leben entsteht.

Für die Absicherung der Arbeitskraft (Berufsunfähigkeitsversicherung) und Altersvorsorge investieren ausgewählte Lebensversicherer die Beiträge – sofern diese über das transparente-Konzept eingezahlt werden – in voller Höhe nach den Richtlinien des Vereins für Alternative Versorgungskonzepte e.V.. Andere Lebensversicherer verfolgen eine ähnliche nachhaltige Anlagepolitik nach strengen sozialen und ökologische Kriterien.

Es ist auf jeden Fall vorteilhaft, sich immer unterschiedliche Angebote unter Ausweis der Vertragskosten erstellen zu lassen – denn es geht vor allem um Ihren Geldbeutel!


Autor: Dipl.-Pol. Volkmar H. Haegele ist seit 2003 als freier Berater in der Investmentbranche tätig, u.a. Fachberater für Finanzdienstleistungen (IHK) und zertifizierter Berater Heilwesen (IHK). Seit 2007 berät sein Unternehmen Nordkurs Invest Konzeptionelle Wirtschaftsberatung zu sozialen und ökologischen Finanzkonzepten und Projekten, die in Zusammenarbeit mit einer Reihe von nachhhaltig orientierten Unternehmen, Vereinen und Netzwerken optimiert werden.

 

Kontakt:

Email: haegele@gruenvorsorgen.de

Telefon: 04 21. 33 65 70-21